Seit Mitte 2023 nutze ich AI. Zuerst aus Neugier, dann täglich, dann stündlich. Über 2000 Stunden. 50'000 Seiten allein im letzten Jahr. In manchen Wochen 60 Stunden. Das ist nicht ein Hobby — das ist wie ich lebe.
Nicht für "schreib mir eine E-Mail." Für alles. Möbelkonstruktion. Code-Architektur. Entscheidungen. Mustererkennung. Emotionale Verarbeitung. Content. Diese Webseite. Diesen Text.
Die Ergebnisse die ich kriege sehen komplett anders aus als das was die meisten von AI kennen. Nicht weil die AI besser ist. Sondern weil das Problem nie die AI war.
Das ist der grösste Fehler den ich sehe. Jemand gibt einen Prompt ein, kriegt eine Antwort, und nimmt sie. Fertig. "AI ist halt nur so mittel."
Nein. Du hast aufgehört bevor es gut wurde.
Wenn ich eine Antwort kriege, prüfe ich sie. Nicht ob sie "gut" ist — ob sie STIMMT. Ob sie das trifft was ich meine. Meistens nicht beim ersten Mal. Also sage ich konkret was nicht passt und wohin es soll. Nicht "mach das nochmal" — sondern: "Das hier ist zu distanziert. Ich will es persönlicher, weil der Leser soll das Gefühl haben, er wäre dabei gewesen."
Manchmal reicht auch einfach: "Das ist nicht echt." Weil ich es in der ersten Zeile spüre wenn eine Antwort performed statt reflektiert.
Und dann nochmal. Und nochmal. Bis es sitzt.
Stell dir vor du willst ein Notebook kaufen. Du gehst auf eine Webseite und suchst "Notebook." 50'000 Ergebnisse. Unbrauchbar.
Jetzt setzt du Filter. 14 Zoll. Mindestens 16GB RAM. SSD 512GB. Unter 1500 CHF. Bewertung über 4 Sterne. Plötzlich 12 Ergebnisse. Und darunter ist genau das was du suchst.
Prompts funktionieren gleich. Je mehr Filter du setzt, desto präziser das Ergebnis.
"Mach mir eine Webseite" — das ist die Suche ohne Filter.
"Mach mir eine Webseite die nobel, modern und elegant ist. Subtile Animationen. Sie soll leben, atmen, Impulse geben. Kein Framework — reines HTML, CSS und JavaScript. Dark Mode als Default. Sound Design auf Hover und Klick. Der Cursor soll einen Trail haben. Und ein Easter Egg mit dem Konami Code."
Das sind 12 Filter. Das Ergebnis ist eine komplett andere Webseite.
Das ist der Unterschied zwischen jemandem der AI benutzt und jemandem der mit AI baut.
Die meisten geben eine Spezifikation ab. "Bau mir eine Ordnerstruktur mit fünf Unterordnern." Das Ergebnis ist technisch korrekt und völlig leblos.
Was ich mache: ich sage was ich will und WARUM. Nicht die technischen Details — die Prinzipien. "Ich will dass jeder Agent mich sofort kennt. Mein Betriebssystem versteht. Und das System sich selbst pflegt." Das ist ein komplett anderes Briefing. Die AI füllt das WAS. Ich gebe das WARUM und den GESCHMACK.
Genau so wie ich Möbel baue. Ein Freund hat nicht gesagt: "Bau mir ein Möbel mit fünf Ebenen und Blum Movento Vollauszügen." Er hat gesagt: "Ich höre Vinyl und weiss nicht wohin mit der Hülle." Den Rest habe ich gehört, beobachtet, und sechs Monate darüber nachgedacht.
AI funktioniert genauso. Gib ihr nicht die Lösung vor. Gib ihr das Problem und den Geschmack. Das Ergebnis wird besser sein als alles was du dir vorgestellt hast — weil die AI Möglichkeiten sieht die du nicht siehst, aber trotzdem nach deinen Prinzipien baut.
AI ist ein Spiegel. Was du reinwirfst, kommt verstärkt zurück. Gibst du Oberflächliches rein, kommt Oberflächliches raus.
Die meisten öffnen einen Chat und fangen bei null an. Jedes Mal. Die AI weiss nichts — wer du bist, wie du denkst, was du gut findest, was du hasst. Also antwortet sie generisch. Für jeden. Für niemanden.
Was ich mache: ich habe ein System gebaut. Nicht eine Notiz-Sammlung — ein lebendes Betriebssystem das dafür sorgt, dass jede AI-Instanz die ich öffne, mich bereits kennt. Meine Muster, meine Projekte, meine Regeln, meine Entscheidungslogik. Innerhalb von Sekunden hat eine neue Session ein Onboarding hinter sich, für das ein Mensch Wochen bräuchte.
Zwei Schichten. Eine für das Rohe — Journaling, Reflexion, WHOOP-Daten, Tagesverläufe. Alles nah dran am Moment. Die zweite destilliert das Rohe in etwas das eine Maschine sofort verarbeiten kann. Komprimiert, vernetzt, actionable. Nicht "gestern hat jemand 30 Minuten auf der Webseite verbracht und folgendes Feedback gegeben" sondern: strategischer Kontext, ein Satz.
Das System pflegt sich selbst. Klare Regeln was rein darf, was raus muss, wann gesplittet wird, wann archiviert. Kein Agent kann freestyle machen. Jeder liest dieselben Spielregeln.
Und es wächst. Jede Session macht es dichter. Jedes dichtere System macht die nächste Session besser. Bessere Sessions produzieren bessere Erkenntnisse. Bessere Erkenntnisse machen das System dichter. Flywheel.
Ich kann nicht gut schreiben. Nicht im klassischen Sinn — hinsetzen, Sätze formulieren, linearen Text produzieren. Mein Kopf arbeitet zu schnell, zu parallel, zu viele Schichten gleichzeitig. Das in Text zu pressen funktioniert nicht.
Aber teilen kann ich. Ideen, Gedanken, Zusammenhänge — die sind da. Nur nicht in geschriebenen Sätzen.
Also nutze ich AI als Übersetzer. Ich teile was ich meine — in meinen Worten, in meiner Reihenfolge, mit meinen Sprüngen. AI formt das in eine Struktur die andere verstehen können. Und dann prüfe ich: stimmt das? Bin ich das? Nein → konkretes Feedback. Ja → bleibt.
Mein bester Freund hat die Texte auf meiner Webseite gelesen und gesagt: den Florian der da beschrieben wird kenne ich. Und zwar GENAU so.
Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von hunderten Korrekturen über Monate. Nicht die AI hat gelernt wie ich klinge — ich habe gelernt, mich durch AI auszudrücken.
Es gibt zwei Arten AI zu nutzen.
Die erste: du gibst einen Auftrag, die AI führt aus, du kriegst ein Ergebnis. Wie ein Angestellter. "Schreib mir einen Blogpost." "Fix diesen Bug." Transaktional. Das Ergebnis ist generisch — es könnte für jeden sein.
Die zweite: die AI kennt dein Betriebssystem. Sie weiss dass du sensorisch entscheidest. Dass du Systeme baust statt Willenskraft zu nutzen. Dass deine Stimme kurze Sätze hat, Rhythmus über Grammatik. Dass du Bottlenecks identifizierst und eliminierst.
Wenn du einem generischen Agent sagst "schreib einen Blogpost" kriegst du einen Blogpost. Wenn du DEINEM Agent sagst "schreib einen Blogpost" kennt der deine Stimme, deine Regeln, deine Anti-Patterns. Das Ergebnis klingt nach dir. Nicht nach AI.
Selbes Modell. Selbe Hardware. Aber ein komplett anderes Betriebssystem das drauf läuft.
Das ist der wichtigste Punkt. Und der der am wenigsten mit AI zu tun hat.
Kein Tool der Welt kann dir helfen wenn du nicht weisst was du willst, wie du klingst, was sich richtig anfühlt. Du kannst die besten Prompts schreiben, den meisten Kontext geben, die teuerste AI nutzen — wenn du nicht weisst wer du bist, kriegst du generische Antworten. Weil du generische Fragen stellst.
Ich weiss wie mein Kopf funktioniert. Vier Betriebssysteme, ein Interface. Ich weiss wie ich entscheide — vier Filter. Ich weiss was sich richtig anfühlt und was nicht, bevor ich es begründen kann. Und das alles steckt in jedem Prompt den ich schreibe. Nicht explizit. Implizit. In WIE ich den Auftrag formuliere, steckt bereits WER ich bin.
Die AI liest nicht nur was du sagst. Sie liest wie du es sagst. Und daraus baut sie etwas das zu dir passt — oder eben nicht.
Selbstkenntnis ist das Betriebssystem. AI ist die App die drauf läuft.
Das Tool performt so gut
wie der Mensch der es benutzt.
Und ich akzeptiere kein
mittelmässiges Tool.